Schulhorte sind prädestiniert für die Gesundheitsförderung

 

Frau Dr. Grünewald-Funk, herzlichen Glückwunsch zur Prämierung von »IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung«. Wofür ist das Projekt ausgezeichnet worden?

Ein Grund, weshalb wir diesen Preis bekommen haben, ist, weil wir uns um Kinder im Ganztag kümmern und um den Schulhort, der bislang in der Gesundheitsförderung selten vorkommt. Aus meiner Sicht ist der Schulhort für die Gesundheitsförderung jedoch prädestiniert, weil alles, was wir für gesunde Ernährung brauchen, dort vorhanden ist: eine Küche, eine Mensa, in der das Mittagessen angeboten wird, und qualifiziertes Personal.

Die Auszeichnung ist nicht mit finanziellen Mitteln verbunden. Aber sie unterstützt dabei, das Thema in der Öffentlichkeit bekannter und darauf aufmerksam zu machen, dass wir hier eine besondere Arbeit leisten.

 

Das Modellprojekt ist im Juni 2016 gestartet. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?

Tatsächlich hat sich bewahrheitet, dass das Coaching und die Unterstützung für Erzieher/-innen und Küchenkräfte notwendig sind. Der Bedarf ist da. Das Projekt richtet sich in erster Linie an die Mitarbeiter der Horte mit dem Ziel, die Arbeitsabläufe so weiterzuentwickeln, dass gesunde Ernährung selbstverständlich ist und mit Bildungsaktivitäten verknüpft wird. Dabei darf sich jeder Hort individuell entwickeln. Im zweiten Schritt profitieren die Kinder von dem Projekt. Wir achten sehr darauf, dass wir sie beteiligen und sie machen begeistert mit.

 

Wie bringen sich die Kinder konkret ein?

Zwei aktuelle Beispiele: Die Askanier-Grundschule hat sich vorgenommen, die Mensa umzugestalten in eine Wohlfühlmensa. Dafür haben wir die Kinder nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt. Je nach Altersgruppen haben sie die Wünsche gemalt oder sie wurden von den Erziehern aufgeschrieben. Dabei entstanden ganz viele Ideen bis hin zur Tischdecke. Die Mädchen wollten gern eine weiße Tischdecke mit rosa Einhörnern. Das zweite Beispiel kommt aus der Carl-Schurz-Grundschule: Dort haben wir uns die Frage gestellt, wie die Erzieher die Kinder bei den Diensten während des Mittagessens - Schüsseln auf den Tisch stellen, Geschirr abtragen, den Tisch abwischen, Essen nachholen - einbeziehen können. Daraus sind zwei Modelle entstanden. Eine Drehscheibe, auf der die Dienste zu sehen sind und über die Drehscheibe entschieden wird, wer welchen Dienst übernimmt. Das andere ist eine Art Kartenspiel für die größeren Kinder, bei dem sie ihren Dienst aus den Karten ziehen. Das macht ihnen viel Spaß.

 

Wie hat sich das Essen durch das Projekt verändert?

Das Essen hat sich innerhalb des letzten Jahres deutlich verändert. Die drei Horte sind sehr unterschiedlich. In einem Hort wird frisch gekocht und in den anderen beiden wird das Essen von einem externen Anbieter von Tiefkühlgerichten angeliefert und in den kleinen Küchen hergerichtet. Da bemühen wir uns, verstärkt Salate und Rohkost ergänzend anzubieten und das kommt bei den Kindern gut an. Auch für den Nachmittag gibt es große Schüsseln mit Obst und Gemüse, das die Kinder selbst schnippeln.

 

Das Modellprojekt Projekt läuft noch bis 2020. Mit welchem Ziel?

Das eine Ziel ist, Coaching zur systemischen Organisationsentwicklung erstmalig in einem neuen Setting in den drei Schulhorten von Schulpartner zu erproben. Das zweite Ziel ist, Best Practice Beispiele und Materialien zu entwickeln, die man für das Coaching im Schulhort braucht. Das Ziel ist, aus den gesammelten Erfahrungen zu lernen, woraus ein bundesweites Coachingsystem entstehen kann, das in Kooperation mit der BARMER und anderen Trägern umgesetzt werden kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


Zur Projektdarstellung der Initiative ü6