Integration als Chance begreifen

 

Seit der Gründung von GSS Schulpartner 2013 ist Marco Schulz im EFöB-Bereich der Askanier-Grundschule in Spandau tätig. Zunächst als Facherzieher für Integration, seit 2015 ist er zudem stellvertretener Hortleiter im Leitungsteam mit Kristin Häger. Verschiedene Gründe haben in den letzten Jahren zu einem erhöhten Förderbedarf von Kindern im Bereich der Integration geführt. Das Team der Askanier-Grundschule stellt sich der Herausforderung mit einer wertschätzenden Haltung und individueller Unterstützung der Kinder sowie intensiver Elternarbeit.

 

Herr Schulz, warum ist der Anteil von Kindern mit Integrationsbedarf gestiegen?

Zum einen kann es sein, dass die Kinder zu früh eingeschult wurden und die Kompetenzen zur Bewältigung des Schulalltags noch nicht ausreichend entwickelt sind. Viele Kinder, die zu uns in den Hort kommen, sind mit den Schulabläufen, den vielen Ortswechseln und räumlichen Übergängen überfordert. Zum anderen unterscheiden sich Kinder mit einem Handicap deutlich von den anderen Kindern und unsere Aufgabe ist es, ihnen Teilhabe am Schulalltag zu ermöglichen. Ich sehe dies als Chance und nicht als Belastung. Hinzu kommen sozioökonomische und soziologische Gründe.

 

Welche sind das konkret?

Viele Eltern der Askanier- Grundschule stehen vor komplexen sozialen Herausforderungen.  Dabei greifen die Eltern vermehrt auf die Angebote der Schule sowie gss Schulpartner zurück. So wird im Austausch ein gemeinsames Netzwerk geschaffen werden. Diese Aspekte gab es schon immer, aber wir beobachten, dass sich die Intensität steigert und wir als Pädagogen auf die Rahmenbedingungen Einfluss nehmen und stetig weiterentwickeln müssen. Deshalb wird das Schulpartner-Personal ständig geschult in Fortbildungen oder bei Klausurtagungen, damit wir uns den Herausforderungen entgegenstellen können. Wir tauschen uns intensiv mit den Schul-Teams vor Ort aus, nehmen an den Schulkonferenzen teil und vernetzen uns mit der Lehrerschaft und den Sozialarbeitern. Zusätzlich geht eine Schulpsychologin therapeutisch auf die Kinder ein und kooperiert dabei auch mit den Eltern. Wir arbeiten wie in einem Uhrwerk zusammen. 

 

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?

Für uns steht das Kind im Mittelpunkt. Die vielfältige Herausforderung des Erziehers ist es, eine empathische Beziehung zum Kind und zu den Eltern aufzubauen und mögliche Barrieren, die im Alltag entstehen, zu beseitigen, sodass die Kinder gleichberechtigt und wertgeschätzt teilhaben können am Leben und Lernen in der Schule. Meiner Auffassung nach sind 75 Prozent der Integrationsarbeit Haltungsaufgaben, wie ich auf Kinder zugehe. Als Pädagoge kommt es darauf an kontinuierlich und haltgebend an der Seite des Kindes zu sein. Entsprechend verstehen wir uns als Anwalt und Begleiter der Kinder. 

 

Wie verändert sich die Rolle der Schule?

Die Schule wird immer mehr zu einem zentralen Ort des Bildens und des Erziehens. Wir verstehen Schule als Lebens- und Lernort. Wir merken bei der Elternschaft, dass sie viele Erziehungsaufgaben an uns übergeben wie den Alltag zu strukturieren, Grenzen zu setzen und die Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Als Pädagoge müssen wir viele Aspekte beachten, um jedes einzelne Kind mit ins Boot zu holen. Dabei sind die Eltern für uns als eine wesentliche Erziehungsinstanz wichtige Ansprechpartner.

 

Was bedeutet das für die Teams: Gibt es immer mehr Facherzieher oder bilden sich alle Erzieher zum Thema Integration weiter?

Sowohl als auch. Wir haben eine steigende Zahl von Facherziehern für Inklusion, weil die Bedarfe da sind. Ansonsten verstehen wir die Integration als Gesamtprozess, die immer im gesamten Team stattfindet. Der Integrationserzieher ist einzelnen Kindern zugeordnet, der die Bedarfe sammelt und die spezifische Förderung nicht ausschließlich selbst übernimmt, sondern im Team aufteilt. Die einzelnen Förderschwerpunkte der Erzieher vernetzen sich ebenso wie ein Uhrwerk.

 

Ein Blick in die Zukunft: Glauben Sie, dass der systemische Ansatz aus individueller Förderung, Sozialarbeit und therapeutischen Angeboten Standard wird?

Im Prinzip schon. Jede Schule hat da ihr eigenes Tempo. Durch die UN-Konvention von 2015 wurde festgelegt, dass in den Schulen inklusiv gearbeitet wird. Wie dies umgesetzt wird, entscheidet jede Einrichtung selbst. Wir versuchen als kompetenter junger Träger in diesem Bereich mit unseren Angeboten die Schulen und vor allem die Kinder bestmöglich zu unterstützen. Entscheidend ist die Haltung dabei. Wenn ich mit einem Strahlen auf die Arbeit und die Kinder zugehe, so kommt es auch zurück.

 

Vielen Dank für das Gespräch!