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Systemische Familienberatung: Hilfe zur Selbsthilfe

 

Die Sozialarbeiterin und Systemische Familientherapeutin Astrid Adamaszek-Rang arbeitet seit September 2015 in der systemischen Familienberatung an der Konrad-Agahd Grundschule in Neukölln. Zudem ist sie für Schulpartner als Sozialarbeiterin an der Sonnenuhr-Grundschule in Lichtenberg tätig, wo sie ab 2009 die Schulsozialarbeit aufbaute. Langjährige Erfahrungen in der Familienberatung mit Eltern unterschiedlicher Herkunft sammelte die gebürtige Hamburgerin u.a. am Berliner »Institut für pädagogische Weiterbildung – Eltern im Zentrum«, das sie 2005 mit gründete. 2009 schloss Astrid Adamaszek-Rang die Ausbildung zur systemischen Familien- und Paartherapeutin ab und arbeitete seit dem in diesem Bereich. Die Stelle an der Konrad-Agahd-Grundschule mit sieben Stunde/Woche wird über das Bonus-Programm an Berliner Schulen finanziert.

 

Frau Adamaszek-Rang, wann und wie nutzen Familien Ihr Beratungsangebot?

Ganz konkret unterstütze ich die Familien bei der Auflösung von Konflikten im schulischen und privaten Bereich. Ich nehme an den sogenannten Fachteamsitzungen in der Schule teil, wo die Themen der einzelnen Kinder und Familien besprochen werden. Wo es angezeigt ist, bekomme ich den Auftrag von der Schulleiterin, Kontakt zu den Familien aufzunehmen. Im telefonischen Erstgespräch informiere ich sie über das freiwillige und kostenlose Beratungsangebot. Zu Beginn steht die Beziehungsarbeit im Vordergrund, denn erst wenn die Eltern Vertrauen zu mir haben, öffnen sie sich. Dabei ist wichtig für sie zu wissen, dass ich nicht vom Jugendamt komme und der Schweigepflicht unterliege. Es gibt aber auch Eltern, die an die Schule herantreten und offen ein Problem ansprechen. Dann verweist die Schulleitung an mich.

 

Wie läuft eine systemische Beratung ab?

In der ersten Sitzung geht es um die Auftragsklärung, d.h. welches Problem besteht überhaupt und was benötigt die Familie, um es zu lösen. Wenn schulische Konflikte dazugehören, frage ich, ob sie einverstanden sind, dies mit den Beteiligten in der Schule zu klären. In einer Schulhilfekonferenz mit Lehrern, Schulleitung und Erziehern geht es primär um die Situation der Eltern und vor allem des Kindes an der Schule. Im privaten Bereich gibt es viele Themen, die tabuisiert werden und nicht an die Schule herangetragen werden müssen. Das sind Suchterkrankungen, schwere Depressionen, Ängste oder Phobien. Es gibt auch Einzelsitzungen, die ich mit den Erwachsenen führe. Aber ich schaue immer, dass die Kinder in einer zweiten Sitzung dazukommen. Und sorge dafür, dass das Problem ausgesprochen werden kann und jedes Familienmitglied seine Sicht dazu äußern kann. Denn alles, was tabuisiert wird, kann nicht verändert werden. Es geht darum, herauszufinden, in welchen Konfliktfeldern sich die einzelnen Familienmitglieder bewegen und was getan werden muss, damit sich diese auflösen.

 

Was sind typische Themen innerhalb der Familien?

Primär sind es psychische Probleme und Erkrankungen der Kinder oder der Eltern. Viele Mütter leiden an schweren Depressionen. Es gibt auch Essstörungen und Suchterkrankungen. In solchen Fällen unterstütze ich die Betroffenen dabei, wo sie weitere Hilfe bekommen können. Bei schulischen Konflikten geht es häufig um Verhaltensauffälligkeiten, verursacht durch Konzentrations- und Lernschwierigkeiten. Dann wird die Schulpsychologin einbezogen und bei Bedarf in Absprache mit den Eltern das Kind zudem von einem Kinder- und Jugendtherapeuten unterstützt. Ist das Kind abgedeckt, arbeite ich weiter mit den Eltern, denn häufig besitzt diese Konzentrationsschwäche eine Funktion innerhalb der Familie. Das Kind reagiert auf das, was innerhalb der Familie passiert. Das ist sehr komplex und auch hochspannend, wenn die ersten Erfolge einsetzten.

 

Welche Rolle spielen kulturelle Themen?

Der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund an der Konrad-Agahd-Grundschule ist sehr hoch. Deshalb kommen Themen in den Sitzungen zur Sprache, die ganz stark kulturelle Hintergründe haben. Häufig machen die Eltern das System Deutschland dafür verantwortlich, dass es ihnen hier nicht gut geht. Ich bringe sie auf den Punkt, wo ihr Anteil an dieser Situation ist. Dabei geht es nicht um die Schuldfrage, sondern darum zu zeigen, wie ihre familiäre Situation auch die schulische beeinflusst. Gerade bei Paaren mit unterschiedlichen Kulturen gibt es oft Partnerschaftsprobleme, bei denen die Kinder oder das Kind gar nicht mehr gesehen wird. Ich berate und begleite die Eltern dabei, weitere Unterstützungsangebote durch Familienhelfer oder Therapiemöglichkeiten so weit wie möglich auszuschöpfen. Hilfe zur Selbsthilfe steht bei der Beratung immer im Vordergrund.