Aktiver Austausch im Dialog

 

Als Leiterin des EU-finanzierten Projekts »Netzwerk Sprachbildung. Bildungsübergänge im Dialog gestalten« unterstützte Gesina Volkmann zum Thema »Übergang von der Kita in die Schule« von September 2015 bis Dezember 2017 die Projektpartner des Sprachförderzentrums Mitte. Mittels Schulungen und Netzwerktreffen wurde der Austausch zwischen Kitas, Schulen und Einrichtungen der Ergänzenden Förderung und Betreuung (EFöB) verbessert und Methoden wie der Foto-Lern-Dialog, die interaktive Bilderbuchbetrachtung und das Konzept einer Aufbauenden Sprache entwickelt.

 

Frau Volkmann, welche Bedeutung hat die Aufbauende Sprache bei der Sprachbildung?

Unter »Sprachbildung« verstehe ich zweierlei: Zum einen soll die Sprache des Kindes gebildet werden. Und zum anderen soll eine Sprache, verstanden als Code und als Instrument zum Sprechen, gebildet werden, in einer besondere Weise, in der mit dem Kind gesprochen wird. Dafür haben wir eine sprachförderliche Sprache entwickelt, die ich Aufbauende Sprache genannt habe.

 

Was zeichnet die Aufbauende Sprache aus?

Die Aufbauende Sprache ist dem Konzept der Leichten Sprache und der Einfachen Sprache insofern ähnlich, als dass sie sich an Personen richtet, die schwere Sprache nicht verstehen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Konzepten, ist die Aufbauende Sprache jedoch nicht starr, sondern reagiert immer auf das Gegenüber und funktioniert nur im Dialog. Der Gesprächspartner des Kindes muss erkennen, wo das Kind in seiner Entwicklung steht, um es im Dialog zum Sprechen zu bringen. Wir haben festgestellt, dass viele Kinder mit den herkömmlichen Sprachfördermethoden überfordert werden. Beispielsweise, wenn sie im ganzen Satz sprechen oder auf offene Fragen antworten sollen. Aufbauende Sprache kennt die Zwischenstufen, die nötig sind, um das Kind dorthin zu bringen.

 

Wie kommt die Aufbauende Sprache zum Einsatz?

In einer altersgemischten Kitagruppe oder einer Schulklasse mit Willkommenskindern ermöglicht die Aufbauende Sprache Gespräche so zu führen, dass jedes Kind auf seinem Niveau mitmachen kann. Ein Beispiel: Wenn ich anhand eines Bilderbuches eine Geschichte erzähle, dann erzähle ich pro Bild in verschiedenen Satzbaustufen und zwar so, dass die Kinder, die am wenigsten verstehen den ersten Satz begreifen können. Für die fortgeschrittenen Kinder erzähle ich die Geschichte in höheren Satzbaustufen mit einem tiefergehenden Inhalt, sodass auch sie auf ihrem Sprachniveau abgeholt werden.

 

Wie haben Sie die Projektpartner konkret unterstützt?

Durch externe Schulungen der pädagogischen Fachkräfte von Schul- und Kitateams im Sprachförderzentrum Mitte, Einzelberatung, exemplarische Sprachförderung von Kindern in Anwesenheit der Lehrer und Erzieher und durch deren pädagogische Begleitung. Dabei wurde vermittelt, wie die Aufbauende Sprache innerhalb des Foto-Lern-Dialogs und auch der interaktiven Bilderbuchbetrachtung angewendet wird. Im Mittelpunkt steht der aktive Austausch mit dem Kind im Dialog. So greifen die Komponenten des Projekts ineinander.

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Projekt fortgesetzt werden kann?

Das Konzept der Aufbauenden Sprache ist ja nicht abgeschlossen, sondern muss immer weiter entwickelt werden und der Bedarf in Kitas, Schulen und EFöB-Einrichtungen für unsere Anliegen ist nach wie vor sehr hoch, und zwar bei Kindern und Lehrkräften. Deshalb bin ich optimistisch, dass der Antrag auf Weiterführung des Projektes Erfolg hat.

 

Wir drücken die Daumen und bedanken uns für das Gespräch.